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Auf dem Weg · MAFUMO auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg | Mai 2025

17. September 2026

Mein Pilger Tagebuch auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg

Pilgern kann auch spirituell sein – du gehst Schritt für Schritt für dich, hörst in dich hinein, und deine Sinne werden geschärft für die Schönheit der Natur. Gedanken klären sich auf einmal – trotz der Strapazen. Der Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg ist relativ neu und noch nicht so bekannt – somit aber auch nicht überlaufen wie der Camino nach Santiago de Compostela. Das Faszinierende für mich als feinfühligen Menschen und Kräuterpädagogen war, das Leben und Wirken einer Frau vor über 900 Jahren nachzuempfinden. Ihrem Lebensweg zu folgen, ihre Wirkungsstätten kennenzulernen und zu erspüren.

Pilgerpass - Pilgersymbol Hildegard - Pilgerstempel

An markanten Wegpunkten auf dem Pilgerwanderweg Hildegard von Bingen erkundet man eine Vielzahl von Tafeln, die an Hildegards Wirken an diesem Ort oder auf dem Weg verweisen und es beschreiben. Unser Ziel – Bingen, wo Hildegard mit dem Kloster Rupertsberg ihre eigene, neue Wirkungsstätte gründete – und weiter über den Rhein nach Rüdesheim-Eibingen, zur Wallfahrtskirche St. Hildegard mit dem Hildegardschrein, ihrer eigentlichen Ruhestätte, und zur oberhalb gelegenen Abtei St. Hildegard.

Infotafeln auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg

Hildegard Vita - 1098 bis 1179

Geboren im Jahr 1098 als zehntes Kind adliger Eltern – Vater Hildebert und seine Frau Mechthild. Der genaue Geburtsort ist bis heute nicht eindeutig geklärt: Lange galt Bermersheim vor der Höhe bei Alzey als Geburtsort, neuere Forschung hält jedoch den Familiensitz derer von Hosenbach im heutigen Niederhosenbach für wahrscheinlicher. Diese adlige Herkunft war mit Sicherheit ein Meilenstein ihrer künftigen Prägung und Bestimmung. Schon in frühester Kindheit zeigte sich Hildegards besondere Begabung und Wahrnehmung. Mit acht Jahren, im Jahr 1106, wird sie zusammen mit der etwas älteren Jutta von Sponheim einer geistlichen Erziehung übergeben. Im Jahr 1112 kam die nächste entscheidende Wendung: Beide Frauen bezogen die Frauenklause am neu besiedelten Kloster Disibodenberg, wo Hildegard insgesamt 38 Jahre verbrachte. Nach Juttas frühem Tod im Jahr 1136 übernimmt Hildegard im Alter von 38 Jahren die Leitung der Frauengemeinschaft als Magistra.

Disibodenberg – die "Vita Sancti Disibodi"

Ein besonderer Name und Ort. Hier hatte sich im 6. oder 7. Jahrhundert der heilige Disibod, ein adliger Priester aus Irland, niedergelassen; um ihn entstand ein Benediktinerkloster auf dem Berg. Es überdauerte bis ins Jahr 893, wurde dann im 10. Jahrhundert aufgegeben. Erst im Jahr 1105 rief Erzbischof Ruthard von Mainz Benediktinermönche aus St. Jakob in Mainz auf, sich auf dem Disibodenberg niederzulassen – die Bauarbeiten zogen sich über weitere vier Jahrzehnte hin.

Im Jahr 1141 beginnt Hildegard mit der Niederschrift ihres ersten Buches "Scivias", das sie in drei Teile gliedert, die jeweils mehrere Visionsbilder enthalten. Diese wurden zunächst beschrieben, später gedeutet. Hildegards Visionen sind der Seherin zufolge göttlichen Ursprungs. Im ersten Teil stehen der Schöpfergott und seine Schöpfung im Vordergrund, der zweite Teil beschreibt den Sündenfall und wie der Mensch mithilfe der Kirche erlöst werden kann. Der dritte Teil stellt die Mitwirkung des Menschen am göttlichen Heilswerk dar.

Neuanfang am Rupertsberg im Jahr 1150

 Zusammen mit rund 20 Nonnen verlässt Hildegard den Disibodenberg und gründet bei Bingen ein eigenes Kloster – eine Vision hatte ihr diesen Ort Jahre zuvor als künftige Wirkungsstätte gezeigt. Die Bauarbeiten hatten sich bereits ab etwa 1147 hingezogen. Am Rupertsberg entsteht in den folgenden Jahrzehnten das geistige und geistliche Zentrum ihres Wirkens.

Der Riesenkodex von Hildegard

Gegen Ende ihres Lebens oder kurz nach ihrem Tod 1179 entsteht der sogenannte Rupertsberger Riesenkodex – eine gewaltige Handschrift auf 481 Pergamentblättern im Format 46 x 30 cm, die (mit Ausnahme ihrer medizinischen und naturkundlichen Schriften) nahezu ihr gesamtes Werk versammelt: theologische Schriften, Briefe und Gesänge. Begonnen von Volmar, ihrem ersten Sekretär, wurde er von Guibert von Gembloux, ihrem letzten Sekretär, vollendet. Während des Dreißigjährigen Krieges kam der Kodex zusammen mit einer Sammlung von Reliquien nach Eibingen in Sicherheit. Im Zuge der Säkularisation gelangte er 1814 in die spätere Hessische Landesbibliothek in Wiesbaden. Heute wird er als Handschrift Nr. 2 in der Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain verwahrt und gilt als das wertvollste Buch der Sammlung – aus konservatorischen Gründen ist er nicht regulär einsehbar.

Riesencodex, das Buch der Hildegard von Bingen - Schrein und Holzschnitt am Totenbett

Tod und Begräbnis

Der Überlieferung nach wurde ihr in einer letzten Vision der eigene Todestag offenbart. Am 17. September 1179 starb sie nach tagelanger Krankheit. An ihrem Todestag sei, so berichtet die Hildegard-Vita, über ihrem Wohnhaus ein helles Licht erschienen, in dem ein rötliches Kreuz zu sehen war. Eine Aufzeichnung von 1660 belegt die Überführung ihrer Gebeine in das Eibinger Kloster, nachdem das Kloster Rupertsberg 1632 im Dreißigjährigen Krieg durch schwedische Truppen zerstört worden war und die Nonnengemeinschaft 1641 nach Eibingen übersiedelte.

Heiligsprechungsdekret Hildegards

Am 10. Mai 2012 vollzog Papst Benedikt XVI. mit den Litterae Decretales die Kanonisation Hildegards von Bingen.

Der Hildegard von Bingen Pilgerweg | ca. 140 Km

Hildegard von Bingen, geboren 1098 vermutlich im Raum Niederhosenbach, wird mit acht Jahren der geistlichen Erziehung Juttas von Sponheim übergeben. 1112 zieht sie mit ihr in die Frauenklause am Kloster Disibodenberg, wo sie nach Juttas Tod 1136 als Magistra die Frauengemeinschaft leitet. 1141 beginnt sie mit "Scivias", ihrem ersten Visionsbuch. 1150 gründet sie das eigene Kloster Rupertsberg bei Bingen. Sie stirbt am 17. September 1179 – 2012 wird sie heiliggesprochen. Nachstehend meine Pilgerreise auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg vom Mai 2025.

Tag 1 | von Idar-Oberstein nach Fischbach/Nahe – 11,2 km

Die erste Etappe mit insgesamt ca. 20 km kann man aufteilen. Für diesen Weg haben meine Frau Anja und ich uns entschieden. Der erste Abschnitt beträgt dann nur 11,2 km, hat dafür 400 Höhenmeter, die es zu überwinden gilt. Start war im Zentrum an der Touristen-Info in Idar-Oberstein, wo wir unseren ersten Stempel geholt haben. Weiter geht es gleich bergauf, vorbei an der Felsenkirche – dem Wahrzeichen der Stadt, das sich hoch oben in eine überhängende Felswand schmiegt.

Felsenkirche in Idar-Oberstein - Start der Pilgerreise

Um sie rankt sich eine düstere Sage: Die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein, beide auf der Burg Bosselstein zuhause, liebten dieselbe Frau, Bertha von Lichtenburg. Als Wyrich von der heimlichen Verlobung seines Bruders mit ihr erfuhr, stieß er ihn im Zorn aus dem Burgfenster – Emich stürzte in die Tiefe und starb genau an der Stelle, an der heute die Kirche steht. Von Schuld zerfressen, beichtete Wyrich einem Abt, der ihm auferlegte, dort mit eigenen Händen eine Kapelle zu errichten. Als Zeichen der Vergebung soll danach eine Quelle aus dem Felsen entsprungen sein, die bis heute in der Kirche zu sehen ist.

Der Weg ist für den Einstieg und bei sommerlichen Temperaturen beschwerlich. So muss sich Pilgern anfühlen, denke ich. Die Strapazen, um zu sich zu finden.

Auf der gesamten Pilgerstrecke gibt es markante Wegpunkte mit einer Vielzahl von Tafeln, die an Hildegards Wirken an diesem Ort oder auf dem Weg verweisen und es beschreiben.

Infotafeln zum Hildegardweg - überall auf dem Pfad zu finden

Tag 2 | von Fischbach/Nahe nach Herrstein – ca. 9 km

Der zweite Teil der ersten Etappe führte uns nach Herrstein, ein wunderschönes mittelalterliches Dorf mit Schloss, alten Türmen und Mauern. Herzstück ist die Schlosskirche – teils gotisch, teils barock, im Kern aus dem 13. Jahrhundert und im 15. sowie 18. Jahrhundert erweitert. Der historische Ortskern wurde für seine gelungene Restaurierung mehrfach ausgezeichnet.

Auch Zeit, über ein Tagesmotto nachzudenken – ein schönes Ritual. So wählte ich als heutiges Motto für mich folgenden Satz: Ankommen ist immer schön beim Pilgern.

Tag 3 | von Herrstein nach Kirn – 19 km

Am dritten Tag der Etappe kamen wir über Niederhosenbach, dem nach neuerer Forschung wahrscheinlichsten Geburtsort Hildegards. Hier wurde sie im Jahr 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert und seiner Frau Mechthild geboren. Die evangelische Kirche im Ort bietet die erste offizielle "Hildegard-Meditationsecke" des Weges: Unter einer großen Buche lädt eine Tafel zum Nachdenken über Hildegards zweite Vision aus dem "Scivias" ein. Im Inneren der Kirche soll sogar ein Faksimile des kostbaren Scivias-Originals liegen. Leider war die Kirche, wie so viele auf unserer Reise, verschlossen.

Überall im Dorf sind Schilder und Gedenktafeln zu Ehren der hl. Hildegard angebracht. Von Niederhosenbach führte uns der Weg weiter über Bergen, vorbei an einer Infotafel zu Hildegards Naturkunde-Buch über Bäume und Sträucher, bis nach Kirn.

In Kirn hat die Touri-Info leider geschlossen – es ist Sonntag. Wir holen uns den Stempel dann am nächsten Morgen ab. Oberhalb auf dem Berg thront die Kyrburg, das Wahrzeichen der Stadt: Um das Jahr 960 vom Gaugrafen Emicho erbaut, urkundlich erstmals 1128 erwähnt, war sie Stammburg der Wildgrafen und wurde 1734 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen von französischen Truppen gesprengt. Das 1764/65 auf den Ruinen errichtete Wach- bzw. Garnisonshaus beherbergt heute das Restaurant Kyrburg samt einem der größten Whisky-Museen Deutschlands.

Mein Fazit des heutigen Tages: Pilgern ist kein Urlaub.

Tag 4 | von Kirn nach Monzingen – 22,5 km

Weiter Richtung Monzingen, ein traditionsreicher Weinort mit vielen Besenwirtschaften. Der Weg führt oberhalb durch die Weinberge mit einer schönen Weitsicht, vorbei an der ehemaligen Stiftskirche St. Johannisberg – ein gotischer Saalbau aus dem Jahr 1438, errichtet auf den Fundamenten einer älteren Kirche. Direkt daneben lädt der Nahe-Skywalk zu einem nervenkitzelnden Blick rund 100 Meter über das Nahetal ein, an der Kante eines alten Steinbruchs.

Wir treffen zwei Französinnen, die ebenfalls den Hildegardweg laufen. Ein kurzer Plausch über Woher und Wohin – das, was Pilger sich so zu erzählen haben. Kurz darauf sehen wir die beiden in der Ferne erneut, die uns heftig winken. Dann stellte sich heraus, dass wir vom Weg abgekommen waren. Nicht aufgepasst – zu viel spazieren geschaut. Glück gehabt.

Da der Pilgerweg noch relativ neu ist, ist die Anzahl an Herbergen rund um den Weg nicht üppig. Dazu kommt, dass man nicht immer ein Zimmer für eine Nacht bekommt. Vorbuchen lohnt sich also, was wir auch gemacht haben. Die Besenwirtschaften haben alle erst an den Wochenenden geöffnet. So bleibt uns in Monzingen nur der Dönerladen am Abend – mehr hatte an diesem Sonntag schlicht nicht auf.

Tagesmotto: Es gibt keine Zufälle - danke an unsere neuen Pilgerfreundinnen

Tag 5 | von Monzingen nach Disibodenberg – 18,6 km

Wieder wunderschöne Landschaften, der Weg führt durch die Weinberge. In Bad Sobernheim holen wir gleich unseren nächsten Stempel in der Touri-Info. Im Ort sprechen uns zwei Amerikanerinnen an. Eine spricht sehr gut Deutsch, da sie vor 30 Jahren! mal für ein Jahr in Jena gewohnt hat. Unglaublich...

Weiter nach Disibodenberg, eine der wohl bedeutendsten Wirkungsstätten der hl. Hildegard. Angekommen, erhalten wir im Museum einen weiteren sehr schönen Stempel. Das kleine Museum hat offen und wir kaufen uns ein Ticket. Gerade kommt auch ein Bus mit einer Gruppe Senioren an. Es wird voll. Jetzt erst, bei dem Stimmengewirr, fällt mir auf, dass wir bisher unterwegs kaum eine Menschenseele getroffen haben. Ruhe pur. Einkehr mit jedem Schritt.

Disibodenberg – Wirkungsstätte von Hildegard von Bingen

Fast 40 Jahre lebte und wirkte Hildegard auf dem Disibodenberg – von ihrer Klausur 1112 bis zum Umzug an den Rupertsberg 1150. Hier wurde sie 1136 nach dem Tod Juttas von Sponheim zur Magistra der Frauengemeinschaft gewählt und begann 1141 mit der Niederschrift ihres ersten Visionsbuchs "Scivias". Heute sind vom einst großen Klosterkomplex nur noch Ruinen und ein kleines Museum erhalten.

Wir sitzen in den Ruinen der alten Klosterkirche und lassen die Energie des Ortes auf uns wirken, in Gedanken an die hl. Hildegard. Nicht weit entfernt erspüre ich beim Herumlaufen eine starke Wasserader. Nichts Ungewöhnliches in der Nähe von alten Kirchen. Nach der Rast geht es los, noch 2 km bis zur Ferienwohnung. Ich hoffe auf eine Badewanne. Der Museumswärter gibt uns noch einen Tipp, wie wir nicht an der Straße, sondern von der Kirche den Berg hinunter ins Dorf kommen. Wieder durch schöne Weinberge. Die rote Bank – als Orientierung – haben wir auch gefunden. Die beiden Amerikanerinnen sehen wir auch wieder und wir winken uns zu.

Insgesamt ist der HvB-Pilgerweg sehr gut ausgeschildert. Wir haben uns kaum bzw. nur kurze Wege verlaufen – mehr durch Unachtsamkeit als durch schlechte Beschilderung.

In der Wohnung angekommen entdecke ich eine Eckbadewanne – wow. Abends geht's noch mal raus zum Essen, doch die wenigen Restaurants in Odernheim haben an diesem Abend geschlossen. Also: Dönerteller und Pita mit Falafel, zum Dessert Eiskonfekt.

Tagesmotto: Ich bin dankbar für ein warmes Essen.

Tag 6 | von Disibodenberg nach Schloßböckelheim – ca. 13 km

Von Disibodenberg weiter nach Duchroth, mehrfacher Preisträger im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" – ein Dorf wie aus dem Bilderbuch, mit Fachwerk- und Bruchsteinhäusern und einem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. An der verschlossenen Kirche im Ort treffen wir überraschend die beiden Französinnen wieder, die wir schon von den Vortagen kennen, und machen gemeinsam eine kleine Rast.

Am Nachmittag erreichen wir Schloßböckelheim und unser Etappenziel: den Felsenbergkeller, ein Weingut mit urigem Charme. Wirtin Anja empfängt uns herzlich, am Abend gibt es Grillhähnchen vom Feuer und einen Pilger-Riesling, der uns überzeugt – begleitet von einer spontanen kleinen Weinprobe mit den anderen Gästen des Hauses.

Tagesmotto: Auch Pilger trinken Wein – am liebsten Pilger-Riesling.

Tag 7 | von Schloßböckelheim über Waldböckelheim und Sponheim nach Braunweiler – ca. 17 km

Weiter durch Weinberge, viele Rapsfelder und Wald – vorbei an Waldböckelheim und Burgsponheim, wo die Burgruine an Jutta von Sponheim erinnert. Nach neuerer Forschung wurde Jutta hier 1092 geboren, und auch die junge Hildegard kam mit acht Jahren wohl nicht direkt auf den Disibodenberg, sondern zunächst hierher zu ihrer Lehrerin.

In Sponheim besuchen wir die offene Kirche – schlicht und unaufgeregt, aber mit viel Geschichte: Sie gehörte einst zur bedeutenden Klosterkirche des Ortes. Heute ergattern wir insgesamt vier Stempel.

Am Nachmittag erreichen wir Braunweiler und kehren im Gasthof "Zur Linde" ein. Heute haben wir die 100-Kilometer-Marke geknackt!

Mein Tagesmotto: 10 Kg Gepäck trägt sich doch federleicht!

Tag 8 | von Braunweiler nach Stromberg – 24 km

Wie immer um 7 Uhr Frühstück, um 8 Uhr los – heute die längste Etappe, eigentlich bis Stromberg. Thematisch dreht sich dieser Tag ganz um Maria: Von den 77 Liedern in Hildegards "Symphonia harmoniae caelestium revelationum" sind 21 der Gottesmutter gewidmet.

Von Braunweiler geht es über Feld und Wald ins vier Kilometer entfernte Dalberg, wo eine Mariensäule von 1726 am Fuß der Dalburg steht. Die Burgruine selbst stammt von 1150 – wurde also noch zu Hildegards Lebzeiten errichtet. Weiter geht es zum Wallfahrtsort Spabrücken mit seiner Klosterkirche "Maria Himmelfahrt" und der berühmten "Schwarzen Madonna vom Soon", bevor der sogenannte Drei-Madonnenweg über Schöneberg schließlich nach Stromberg führt.

Da wir in Stromberg kein Zimmer vorbuchen konnten, ging die Tour weiter nach Warmsroth – zwei Extra-Kilometer heute, und die auch noch nur bergauf. Zwischen Braunweiler und Stromberg gab es leider kein Café, keine Einkehrmöglichkeit, um unser Wasser nachzufüllen – und das bei sommerlichen Temperaturen. In Stromberg selbst hatten wir schon 24 km in 6 Stunden hinter uns.

Das war die schwerste und anstrengendste Etappe der ganzen Pilgerreise – wegen Hitze und Länge bin ich an meine Grenzen gekommen.

Tagesmotto: Es gibt immer einen Weg. Man muss ihn nur zu Ende gehen.

Tag 9 | von Stromberg nach Bingen am Rhein – ca. 19 km

Unser Ziel: Bingen, wo Hildegard 1150 mit dem Kloster Rupertsberg ihre eigene, neue Wirkungsstätte gründete. Der Weg dorthin führt von Warmsroth mit der St.-Pankratius-Kapelle in den Binger Wald, durch das Morgenbachtal mit seinen felsigen Hängen und entlang des Rhein-Burgen-Wegs – mit einem fantastischen Blick auf den Rhein und Bingen, bevor es über Bingerbrück ins Ziel geht.

Und angekommen zeigt sich der Weg weiter: über den Rhein nach Rüdesheim-Eibingen, zur Wallfahrtskirche St. Hildegard mit dem Hildegardschrein – ihrer eigentlichen Ruhestätte, seit ihre Gebeine nach der Zerstörung des Klosters Rupertsberg hierher überführt wurden – und weiter hinauf zur Abtei St. Hildegard. Diesen Abschnitt machen wir aber erst am Folgetag. Mein Tagesmotto: Glücklich am Ziel aus eigener Kraft - 140 Km.

Tag 10 | Bingen am Rhein – Rüdesheimer Hildegardweg – ca. 17 km

Bevor wir mit der Fähre übersetzen, statten wir noch dem Museum am Strom einen Besuch ab – und der ist ein Muss für alle Hildegard-Fans. Die Dauerausstellung zeigt Hildegard als historische Persönlichkeit des 12. Jahrhunderts: ihr geistliches Leben, ihre Visionen, ihre Musik. Gleich nebenan liegt der Hildegarten, kein klassischer Klostergarten, sondern eine didaktisch angelegte Sammlung von Heilpflanzen aus Hildegards naturkundlichem Hauptwerk, der "Physica" – darin beschrieb sie einst fast 300 Kräuter, Sträucher und Bäume mit ihrer Heilwirkung. In 15 Themenbeeten und 8 Einzelbeeten wird ihr "Buch von den Pflanzen" und "Buch von den Bäumen" lebendig. Und ausgerechnet hier, zwischen Salbei und Bertram, laufen wir den beiden Amerikanerinnen wieder über den Weg, die wir schon vom Weingut in Schloßböckelheim kennen – ein schönes Wiedersehen zum Abschluss der Reise.

Mit der Rheinfähre und ohne Rucksack! (Wir sind gestern im Hotel eingecheckt und haben aus unserem Auto die Koffer geholt) steuern wir auf Rüdesheim zu. Der Weg führt weiter zur Wallfahrtskirche St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, wo der Hildegardschrein mit ihren Reliquien aufbewahrt wird – ein Ziel für viele Pilger aus ganz Europa. Seinen Abschluss findet der Pilgerweg in der heutigen Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, die Hildegards Erbe bis heute lebendig hält.

Einen kleinen Umweg gönnen wir uns noch: mit der Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal. Das gut 38 Meter hohe Monument mit der Germania-Statue wurde zwischen 1877 und 1883 errichtet – als Denkmal zur Reichsgründung nach dem Deutsch-Französischen Krieg. Ursprünglich brachte eine Zahnradbahn die Besucher durch die Weinberge hinauf, seit 1954 übernimmt das die heutige Seilbahn, die inzwischen selbst zum Wahrzeichen Rüdesheims geworden ist.

Und natürlich durfte auch ein Abstecher in den Käthe-Wohlfahrt-Laden nicht fehlen – wo ich mir, ganz standesgemäß, ein Räuchermännchen gekauft habe. 😄

Fazit der letzten Tour: Ich bin dankbar für die Pilgerreise, die vielen Eindrücke und alles Wissenswerte über die Heilige Hildegard.

Begegnung mit Hildegards Kräuterkunde

Auf dem Weg, aber auch in Bingen selbst, sind immer wieder Kräutergärten angelegt, in denen die Pflanzen kultiviert werden, die schon Hildegard seinerzeit verwendet hat. So findet man dort unter anderem Bertram, Galgant, Salbei und Beifuß....

Physica - die Heilkraft der Pflanzen von Hildegard von Bingen und div. Kräuter rund um den Hildegardweg

VIRIDITAS – Räuchermischungen nach Hildegard von Bingen

Wie kommt es nun dazu, dass ich Räuchermischungen erstellen möchte, die im Kern auf Gedanken beruhen, die Hildegard von Bingen vor über 900 Jahren entwickelt und angewendet hat? Pflanzen können auf ganz unterschiedliche Weise helfen und heilen – und da ich mich mit MAFUMO für die Herstellung von hochschwingenden, feinstofflichen Räuchermischungen entschieden habe, lag es nahe, dieses alte Gedankengut aufzugreifen und wieder nutzbar und zugänglich für alle interessierten Menschen zu machen. Inspiriert von meiner Reise und beeindruckt von ihrem Lebenswerk, ihrem Wissen und ihrer Hellsichtigkeit, habe ich mich entschlossen, ihr Schaffen in Ehren zu halten und wieder bekannter zu machen: mit einer eigenen kleinen Serie an Räuchermischungen von MAFUMO.

VIRIDITAS – Hildegards eigener Begriff für die "grünende Lebenskraft" der Natur – ist dabei der Oberbegriff für alle Räuchermittel, die im Sinne der heiligen Hildegard erkannt und angewendet wurden. Ich möchte ihr Wissen so weitergeben, wie sie es geschaffen und angewendet hat, mit nur kleinen, feinen Änderungen. So entstanden vier Räuchermischungen nach Hildegard von Bingen von MAFUMO, die in einer eigenen Kollektion zu finden sind:

FRIEDEN · GEBET · SCHUTZ · BERTRAM

Hier geht es zu den Hildegard von Bingen Räuchermischungen

Was bleibt - Erinnerungen unserer Pilgerreise

Mein persönliches Fazit: Auf meiner Reise wollte ich die Wirkungsstätten sehen und fühlen, einen Eindruck davon bekommen, wie eine einzige Frau ein so unbeschreiblich großes Wissen über Pflanzen und deren heilende Wirkung auf den Menschen ansammeln konnte – Pflanzen, mit denen ich als Kräuterpädagoge und für meine Räuchermanufaktur selbst arbeite, um sie beim Verbrennen feinstofflich schwingen zu lassen und den jeweiligen Pflanzengeist wirken zu lassen. Und vielleicht komme ich der heiligen Hildegard dadurch ja ein Stück näher als so manch anderer.

Andreas Mittmann - Pilgern auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg

Andreas Mittmann Kräuterpädagoge · Räucherexperte · Gründer MAFUMO Räuchermanufaktur

"Räuchern begleitet mich seit vielen Jahren – als Ritual, als Wissen, als Leidenschaft. Mit MAFUMO möchte ich altes Kräuter- und Räucherwissen lebendig halten und zugänglich machen."